eigentlich 50

20. August 2012

Der Trainingsplan verkündete:

„Marathonspezifischer Lauf (MSL) – Trainingsmittel aus dem Hochleistungssport. Dient zur physischen und mentalen Vorbereitung der Marathonwettkampfbelastung. Der Wechsel zwischen 5 km GA2- und 5 km GA1-Tempo über die Distanz > als 25 km, wirkt sich sehr gut auf das „Stehvermögen“ beim Marathon selbst aus. Dieses Training ist sehr dosiert einzusetzen und sollte nur von gestandenen Läufern als zusätzlicher Trainingsreiz genutzt werden! Mindestens zwei „lockere“ Tage sollten zur anschließenden Regeneration genutzt werden“

und sollte 30km lang sein. 3 x 5km gemütlich und 3 x 5km im MRT, um für den 14.10. in Essen fit zu werden.

Nun war am Samstag aber auch zufällig der 100km Lauf und der Veranstalter ist so nett, auch eine Bambini-Strecke über die halbe Distanz anzubieten. Die Entscheidung zwischen 30 alleine oder 50 mit Begleitung, Fans und Verpflegung war leicht zu treffen. Also wurde ein Trainingslauf geplant: Einlaufen so 10km, dann im Wechsel 5 schnell und 5 langsam und bei 40 wird entschieden, ob noch Körner für eine Runde vorhanden sind. Zusätzlich hatte ich mit mir vereinbart, dass ich Sonntag frei habe, wenn ich die 50 voll mache.

Wenn man so ein Läufchen vorhat, gibt es im Prinzip nur einen, der auf die Frage, ob er mitmacht, immer Ja sagen wird und das ist Markus. So standen wir also morgens um sechs an der Startlinie und liefen los.

Der Lauf wird auf einer 10km Runde ausgetragen, die je nach dem 5 oder 10 mal absolviert werden muss. Insgesamt ist das alles perfekt organisiert: Sehr nette Helfer an der Strecke und etliche Verpflegungspunkte mit großem Angebot.

Auf der ersten Runde haben wir uns auf 12km Einlaufen geeinigt, um dann jeweils von x2 bis x7, die Tempostücke zu absolvieren. Die erste Runde ging relativ schnell vorbei (56:07), nicht zuletzt deshalb, weil Markus quasi jeden im Feld kannte und auch mit jedem einen kurzen Schwatz abhielt. Bei 12 galoppierten wir los und fanden schnell unser Tempo. Nach einer kurzen Unterbrechung in einem blauen Häuschen und dem Auslaufen von 17 bis 20 kamen wir wieder im Stadion an (50:08). Die dritte Runde war rückblickend sehr unspektakulär – bei 22 losgespurtet, bei 27 die zweiten 5 abgehakt und bei 30 wieder ins Stadion gekommen (49:46). Hier war ich schon ziemlich im Eimer und musste ein paar Schritte gehen. Als Markus fragte, ob ich bei normalem Training auch Gehpausen einlege und ich ihm mitteilte, dass mein normales Training spätestens an dieser Stelle beendet ist, kicherten wir uns in die 4. Runde. Ich versuchte, die 2km bis zum Start des letzten Tempostückes so lange wie möglich hinauszuzögern und als wir bei 32 starten mussten, wusste ich, dass das sehr, sehr hart wird. Das Tempo der ersten beiden 5km-Stücke von 4:05-4:10 war nicht mehr drin – knapp unter 4:30 war alles, was noch möglich war. Bei 35 musste ich dann kurz anhalten, aber nach kurzer Pause sind wir die letzten beiden km noch in diesem Tempo zu Ende gelaufen. Während dieser Runde ging es auch ständig im Kopf darum, nach der Runde aufzuhören oder weiterzumachen. Markus sagte bei 39, dass er aufhören wird und riet mir eigentlich, das gleiche zu tun.Der Gedanke war sehr verlockend und bei 35 hätte ich sofort aufgehört, wenn es die Option gegeben hätte, aber ich wusste, dass ich 10 km noch schaffen kann und selbst wenn ich 1:30 gebraucht hätte, wäre es mir egal gewesen. Durch „etwas“ Gehen, Stehen und Verpflegen brauchten wir 1:02:07 für die vierte Runde und ich machte mich auf die letzte Runde. An der Marathon-Marke jubelte ich innerlich. Dann kam eine Verpflegungstation, an der es so leckere Melonen gab, dass ich da bestimmt 5 Minuten einfach nur gegessen habe. Dann noch das letzte Mal um den Auensee herum und dann nur noch zurück. Im Stadion einige Freunde abgeklatscht und weil es ja nur Training war, noch ein paar Minuten vor der Ziellinie darauf gewartet, das die Uhr 4:44:44 anzeigt, um meinen ersten 50km (Trainings-)Lauf zu beenden.